“Wirklich angekommen!?” Filmvorführung und Diskussion in Kooperation mit dem MiSO-Netzwerk Hannover

Kadir Özdemir April 15, 2019 Hannover Ihmezentrum Integration MiSO-Netzwerk Nemo Bundesnetzwerk Verband binationaler Partnerschaften und Familien

“Wirklich angekommen!?”

Am 27. März 2019 nahm QLM an der Vorführung des Filmes „Wirklich angekommen!?“mit anschließender Podiumsdiskussion in der Zukunftswekstatt Ihmezentrum in Hannover teil. Die ca 40-minütige Dokumentation porträtiert Einwander*innen, die in Hannover leben.

Der aus Kamerun stammende Regiesseur Kavaye Ozong lässt vier Menschen mit Migrationskontexten über ihr Ankommen und Leben in Hannover zu Wort kommen. Er zeigt seine Protagonisten, so wie sie sind: Vielfältig, klug und sympathisch. Ein differenzierter Spiegel persönlicher Migrationsgeschichten:

Da ist Rhina Colunge, die aus Peru stammt und beim „International Office“ der Universität Hannover arbeitet. Sie freute sich über das Engagement vieler Deutschen, die sich um Geflüchtete kümmern, fordert aber insgesamt mehr gegenseitigen Respekt. Neu Zugewanderten rät Rhina Geduld zu haben, denn das ankommen sei ein langer Prozess.

Kadir Özdemir, der als 12jähriger aus der Türkei nach Deutschland kam und hier eine zweite Heimat gefunden hat. Kadir arbeitet in Hannover als Projektleiter die Landesstelle queerer Geflüchteter in Niedersachsen (NVBF.de) und für das Landesprojekt QLM mit der Zielgruppe der queeren Menschen mit anderen Migrationskontexten. Er fragt sich unter anderem, warum Unternehmer*innen und Behörden nicht in der Lage sind, mehr Menschen mit Migrationserfahrungen einzustellen und so für mehr Pluralität und Mitbestimmung zu sorgen. Die sogenannte Integration sei keine Bringschuld, sondern bedeute Integration für alle, somit auch das Teilen von gesellschaftlichen Positionen und Ressourcen, sonst bleibe es bei Scheindebatten.

Uwe Mamadou studiert Deutsch und Islam auf Lehramt und hat eine deutsche Mutter und einen Vater aus dem Senegal. Ihn stört, dass immer nur andere ihn daran erinnern, einen sogenannten Migrationshintergrund zu haben. Und das besonders dann, wenn er den bunten Stadtteil Linden in Hannover verlässt. Er liebt die deutsche Sprache, macht Musik und schreibt kritische und coole Texte um seinen Alltag zu verarbeiten.

Joseph Nounla ist seit 2005 in Hannover und arbeitet als niedergelassener Arzt in der Kinderchirurgie. „In Hannover ist auf den ersten Blick vieles in Ordnung“, sagt er, spricht aber auch über einige negative Erfahrungen mit deutschen Kollegen. Joseph fordert mehr Anstrengungen von Seiten der Migranten, in der deutschen Mehrheitsgesellschaft anzukommen.

Vier Menschen – mit durchaus verschiedenen Ansichten. Und ein Querschnitt unserer Gesellschaft. Vielleicht sind wir ja irgendwann in der Lage, die ewige Diskussion über Migrationshinter- oder Vordergrund zu beenden. Spätestens dann wird es für viele leichter, endlich in Deutschland anzukommen…

Der Film wurde gefördert vom Gesellschaftsfonds Zusammenleben (GFZ) der Stadt Hannover und in Kooperation mit dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften produziert..

Veranstaltung fand am 27.03.2019 um 18 Uhr in der Zukunftswerkstatt Ihmezentrum statt und wurde vom MiSO-Netzwerk Hannover und vom Bundesverband NeMO präsentiert.